Paper Maché

"NUR IN DER VORSTELLUNGSKRAFT DES MENSCHEN FINDET JEDE WAHRHEIT EINEN WIRKUNGSVOLLEN UND UNBESTREITBAREN FORTBESTAND. PHANTASIE, NICHT ERFINDUNG, SCHAFFT IN DER KUNST WIE IM LEBEN DAS GANZ BESONDERE."

JOSEF CONRAD

SAM - Der Geist unserer Seele

Jeder mag fragen, wieso baut sie nun ausgerechnet einen lebensgrossen Geist oder etwa ein Gespenst??!! Tja, das ist tatsächlich eine gute Frage. Inspiriert wurde ich an einem bestimmten, magischen und eher unbekannten Ort anlässlich meiner Fototour in den Südwesten der USA Anfang des Jahres 2017. Dort kam mir die Idee, solch eine Skulptur selbst ins Leben zu rufen. Es bzw. besser er ist nun ein Geist geworden.

Die menschliche Seele visualisieren. Das ist ein sehr hoher Anspruch. Ihn umzusetzen für eine Künstlerin ist ungeheuer schwer. Ich stelle mir jedenfalls einen solchen Geist unserer Seele hüllenlos vor, ohne Körper und ohne Gesicht. Vielleicht gerade nur dessen Umrisse dargestellt mit einem grauen Mantel mit silbern schimmernden Falten. Und - in Gedenken an Yoda von Star Wars - einen (knallroten) Spazierstock in der rechten Hand. Ein Abbild unseres eigenen Geistes, der Seele. Unsichtbar und allgegenwärtig. Über alle Zeiten hinweg, unabhängig von dieser Welt und der Zeit. Etwas mahnend und vornüber gebeugt sollte er dastehen. Und genau das tut er jetzt auch.

Ich hatte echt keinen Plan als ich begann, ihn zu bauen. Mit leicht blutigen Fingern bog, verdrehte und beschnitt ich den kleinmaschigen, scharfkantigen "Hasendraht" bis in etwa die Grundfigur entstanden war. Wie auch bei meinen bisherigen Pappmachè-Skulpturen arbeitete ich mit den verschiedensten Materialen wie den eben schon beschriebenen Hasendraht, Holzplatten, luftigen Plastik-Ausstopffolien, Eisennägeln, Tackernadeln, Schrauben. Die eigentliche Arbeit begann, als ich mich dazu entschied, fünf Schichten Zeitungspapier über das Grundgerüst zu legen. Aber nicht in grossen Bögen, sondern fein säuberlich in kleine Papierstückchen gerissen. Mit einer Mischung aus Holzleim und Tapetenkleister via Pinsel übereinander geklebt. Als das Ganze dann durchgetrocknet war, mussten die Falten des Umhangs konzipiert und erschaffen werden. Einfach wäre es gewesen, Betttücher darüber zu legen, in schönen Falten auszurichten und dann irgendwie zu einer festen Materie werden zu lassen. Aber so einfach wie in meiner Vorstellung ging es nicht, rein technisch gesehen bei so einer gossen Figur. Also zerriss ich die weißen Betttücher ebenfalls in kleine Stücke und Streifen. Formte so, nachdem die Stofffetzen in Textilverstärker getränkt wurden, die einzelnen Längs- und Querfalten, bis sie so aussahen als wären sie aus einem einzigen Laken gefertigt. Zum Schluss dann noch dreimal mit grauer, schützender Acrylfarbe angemalt. Der Silbereffekt der Falten resultiert aus einer mit einem Schwämmchen aufgetragenen Silberpaste. Und dann war Sam fertig und wird nun bei besonderen Gelegenheiten mit apfelgrünen LED-Lichtern von unten zum Glühen gebracht.

Der Name von SAM ist übrigens - wie Filmkenner sicherlich unschwer erraten konnten - an den berühmten Kinofilm mit Patrick Swayzee angelehnt: "Ghost - Nachricht von Sam". Die Fantasy-Romanze war nicht nur ein kommerzieller Erfolg, sondern verkörperte Hollywood im besten Sinne: herzzerreißend, traurig, spannend, lustig und magisch. Das Movie gewann zwei Oscars.

Miguel

Eines Tages kam ich auf die Idee, mir einen Mann zu basteln. Ich führte eine Wochenendbeziehung und fühlte mich manchmal einsam. Also versuchte ich es mit Papermaché und sammelte Zeitungen, Plastik und anderen Müll. Nach dem Grundgerüst folgten etliche Lagen Kleister mit Zeitungspapier, bis die Festigkeit erreicht war. Das Gesicht habe ich mit FIMO modelliert und brachte mich fast um den Verstand. Es ist schon sehr aufschlussreich, was während so einem Projekt tief in dir drin geschieht. Ich habe viel in mir entdeckt. Das Ergebnis: ein schöner Mann mit Namen 'Miguel'.

Der Mann ohne Kopf

Ein Mann kommt selten allein. Die Idee, einen Mann ohne Kopf zu bauen, kam mir auf einem Spaziergang. Ein Spaziergänger, tief in Gedanken versunken, rempelte mich sehr unsanft an. Die Hände sind die Gipsabdrücke der Hände meines Mannes. Seht selbst, wie dieser Mann enstand. Er hat mich zu vielen Wutanfällen verleitet. Finger brechen, umkippen. Ich habe die Statik falsch berechnet und muss jetzt noch ein letztes Mal reparieren.

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