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DER DONNER DES BLAUEN EISES - GRÖNLAND 2017 - Teil 4: Kalaalit Nunaat: Das Land Der Menschen

Andrea | 16.10.2017 | | Greenland

Das Holz der bunten Häuser hält sich über 100 Jahre, da die Luft extrem trocken ist. Alles ist auf karge, grosse Felsen gebaut. Es gibt in Grönland - bis auf die Hauptstadt Nuuk - keine Kläranlagen, fast alles fliesst ins Meer, wenn die Häuser nicht mit Klärgruben ausgestattet sind. Wasserleitungen sind über dem Boden installiert, mit extra strombetriebenen Wärmeleitungen drinnen, damit nichts einfriert. Die Orte Grönlands sind nicht durch Strassen oder Bahnstrecken verbunden. Die "Landstrasse" Grönlands ist das Meer. Man nutzt Schiffe, Flugzeuge, Helikopter und Hundeschlitten als Transportmittel. Die Menschen hier leben vom Fischfang, vom Jagen und dem Tourismus. Insgesamt sind es nur 56.000 Menschen auf der größten Insel der Welt. Alles ist hier eher schlicht. Luxus ist woanders. Grönland gehört irgendwie zum dänischen Königreich, ist aber ein eigenständiger Staat, keine EU. Geografisch ist es Amerika. Im Winter wollen sie alle ins Warme. Englisch ist neben den für Europäer nicht verstehbaren, fünf verschiedenen Eskimo-/Inuit-Dialekten Standard. Grönland ist übrigens das Land mit den längsten Worten der Welt (bis zu 150 Buchstaben!). Aussprechen oder gar vorlesen kann man sie definitiv nicht.

Wir lernen in Narsasuaq „Kunguu“ beim Weiß- und Rotwein kennen, besser ausgedrückt Concordia Gabriel, eine kleine Grönländerin, die im südlichsten Ort von Grönland wohnt. Sie spricht perfekt deutsch und gibt uns viele Infos über ihr Land. Ulu ist ein spezielles Frauenmesser der Inuit. Und Tupilak ein hässlicher Glücksbringer, der die bösen Geister vertreibt. Alles super interessant. Wir hören nur noch zu.

Narsaq war neben Tasiilaq der schönste Ort, den wir gesehen haben. Gutes Hotel mit Tzatziki. Und viele bunte Häuser idyllisch gelegen an drei Fjorden. Andrea macht ein supergutes Fotos von einem alten Fischer aus Grönland, der im Hafen mit seiner Frau große rote Fische verkauft. Nachts beim Fotografieren knackt und kracht das Eis wieder laut. Wir erleben die schönste Nacht des Urlaubs.

Wir erleben den Beginn des Indian Summer mit seinen traumhaften Herbstfarben, rostrot, gelb, grün und braun. In Narsarsuaq stehen die einzigen 6 richtigen Bäume von Grönland (1 Birke und 5 Tannen) , ca. 2.50 m "hoch". Ansonsten nur niedrige Sträucher und heidebewachsenes Fjellgelände. Blanke, riesengroße Felsen, spitze hohe Berge wie in den Alpen, Geröll, Gletschermoränen, sehr lange Fjorde.

Müllentsorgung wie in Mitteleuropa gibt es hier nicht. Müllkippen quer über die Felsen verstreut, Plastikflaschen im Meereswasser, abgewrackte alte Autos und Schiffe werden einfach abgestellt. Viele Grönländer haben (fast) keine Zähne mehr im Mund. Inzest, Arbeitslosigkeit und Alkohol sind hier große Problemfelder.

Tasiilaq und Tiniteqalaaq: DIE VERGESSENEN ORTE Ostgrönlands. Von Nuuk nach Kulusuk, dem kleinsten Airport der Welt auf Matschepampe-Piste und in 10 min. per knallrotem Helikopter nach Tasiilaq. Wunderschön und so abgelegen. Sie bekommen dort zu wenig Infrastrukturaufbau-Geld von Nuuk. Deswegen wird hier nur ganz wenig investiert. Wir machen eine 6h-Bootsfahrt um die Insel Ammassalik herum und besuchen das kleine Dorf Tiniteqilaaq. Die Bedeutung des Namens: "Die Straße, die bei Niedrigwasser trocken liegt", am Ende der Welt. Tiniteqilaaq hat 110 Einwohner. Der Eisbergsee direkt davor. Nur 20 von den 110 Einwohnern haben Arbeit. Alles sehr arm, aber einen Supermarkt gibt es auch dort. Ein alter Mann klettert mit seinen beiden Krücken über riesige, kantige Felsbrocken am Hafenrand, um in sein Boot zu kommen. Auf der Rückfahrt gibt es Sturm, das kleine Boot kämpft sich durch die 3 - 4 m hohen Wellentälern. Es ist schweinekalt und echt heftig. Wir sind froh, als wir Land sichten und diese doch sehr unruhige Bootstour zu Ende ist.

Von der restlichen Welt bekommt man in Grönland so gut wie gar nichts mit. Auch nicht schlecht.

 


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